Der schmerzhafte Ellbogen ist nicht immer ein Tennisarm
Schon die treffende medizinische Bezeichnung des Tennisarmes erweist sich als schwierig, viele Synonyme finden Verwendung, definitionsgemäß sind die meisten jedoch nicht vollzutreffend.
Mittels histologischer Studien konnte gezeigt werden, dass keine entzündliche (Tendinitis), sondern eher eine degenerative (Tendinose) Erkrankung der Sehne vorliegt.
Somit ist die Bezeichnung „Epicondylitis humeri radialis“ (Entzündung am äußeren Epicondylus des Oberarmknochens) als Synonym des Tennisarmes irreführend.
„Epicondylopathia humeri radialis“ (schmerzhafte Erkrankung des Epicondylus des Oberarmknochen) ist eine weitere geläufige, jedoch nicht vollumfänglich zutreffende Bezeichnung, da es sich um keine Erkrankung des Epicondylus handelt.
Wenn also über den Tennisarm berichtet wird, dann meist weiterhin unter den diagnostischen Sammelbegriffen „Epicondylitis“ oder aber auch „Epicondylagie“ (lateraler Ellenbogenschmerz).
Keypoints
I. Der Tennisarm ist keine Entzündung, sondern eine degenerative Erkrankung (angiofibroblastische Hyperplasie) der Sehnen der Extensoren (insb. des M. extensor carpi radialis brevis).1
II. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen bei einem schmerzhaften lateralen Ellenbogen2:
- Tennisarm
- Ellbogeninstabilität (posterolaterale Rotationsinstabilität)
- einklemmende Falte der Gelenkschleimhaut (Plica radialis)
- aseptische Nekrose des Knochens unterhalb des Gelenkknorpels (Osteochondrosis dissecans/Pathologie des radiocapitellären Knorpels)
- Nervenkompression (Nervus radialis)
- Reizung oder Schädigung einer Nervenwurzel der HWS (Radikulopathie)
1 Schneider, M. M. et al., 2018. Der Tennisellenbogen - Stellenwert der manuellen und chirurgischen Therapie. Manuelle Medizin, 2(56), pp. 133-146.
2 Vavken, P., 2018. Evidenzbasierte Behandlung des lateralen Ellbogenschmerzes. Orthopädie & Rheumatologie, Issue 3, pp. 62-65.